4. Generation
Johann Baptist Hunkeler führte die Familientradition der Zimmermeister Hunkeler fort. Als einziger Nachfolger übernahm er die Tätigkeit von seinem Vater und seinen Onkeln. Die Besonderheit in dieser Generation ist, dass die Hunkeler, die 1774 von Ettwiswil nach Luzern gezogen waren, nun nach 111 Jahren das Bürgerrecht der Stadt erhielten.
Gründerjahre: Tourismus- und Bauboom in Luzern
Die Schweiz und insbesondere Luzern erlebte im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, den sogenannten Gründerjahren, einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Diese Konjunktur führte zu neuen Unternehmensgründungen und zu einer regen Bautätigkeit.
Bereits ab den 1830er-Jahren entwickelte sich in Europa eine Reisekultur, es war der Beginn des Tourismus. Luzern öffnete sich städtebaulich im 19. Jahrhundert, sie wurde von einer Fluss- zu einer Seestadt. Ab 1837 fuhren erste Dampfschiffe auf dem Vierwaldstädtersee. 1868 besuchte die Königin Victoria von England Luzern. Dieser Besuch löste einen grossen Werbeeffekt für die Stadt aus und kurbelte den Tourismus an. So entstanden dem Ufer entlang der Luzernerhof (1865), das Bellevue (1867), das Beau Rivage (1867), das National (1870) und das Europe (1875). Dafür musste das Seeufer trockengelegt werden.
Die Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 steigerte in Luzern den Tourismusboom. Neue, nach Süden ausgerichtete Hotels wurden vor die mittelalterliche Stadt als Panoramabauten ums Seebecken gestellt. Mit dieser neuen Stadtansicht wurde auf unzähligen Postkarten Werbung gemacht.
Arbeiten für die Kulisse der Belle Époque
Die klassischen Industriebetriebe (Maschinen-, Schwer- und Nahrungsmittelindustrie) siedelten sich ausserhalb der Stadt (z.B. Schappe in Kriens und Viscose in Emmenbrücke) an. Hingegen begann sich in der Stadt eine eigene Versorgungsindustrie für den Tourismus zu entwickeln.
Wie seine Onkel und sein Vater wurde auch Johann Baptist Hunkeler Zimmermann. 1857 soll er auf der anderen Seeseite, in der Nähe des Stiftbezirks (laut Familientradition an der Stelle des späteren Hotels Union), eine eigene Zimmerei gegründet haben. Seine Spezialitäten waren, neben den üblichen Arbeiten als Zimmermeister, Pfahlarbeiten.
Im Januar 1867 kaufte Baptist Hunkeler etwas nördlich der Stadt eine Parzelle Land von Josef Haas vom Hof Steinbruch im Quartier Hof (heute Ecke Zürichstrasse und Strasse zum Sedelhof). Dort baute er ein zweistöckiges Wohnhaus mit Werkstatt. Dieser neue Standort war strategisch gut gewählt, da er nahe der damaligen Baustellen für die neuen Hotels lag.
Im selben Jahr führte er mit anderen Verwandten einen Prozess gegen die Witwe seines gleichnamigen Onkels und Paten. Sie fochten die Gültigkeit von dessen Testament an. Doch das Bezirksgericht Luzern bestätigte dieses und urteilte zugunsten der Witwe. Ihr stand die Nutzniessung des Vermögens ihres Mannes zu.
Im Adressbuch von 1871 war Baptist Hunkeler als einer von 12 Zimmermeistern in der Stadt Luzern aufgeführt.
Mit seiner Frau Gertrud Boog hatte Johann Baptist vier Kinder. Nach seinem Tod übernahm der erstgeborene Sohn Josef Johann Baptist die Leitung des Betriebs in 5. Generation.